Cormac McCarthy verkauft „The Counselor”, sein neues Drehbuch über ein Drogenkriegsdrama

Cormac McCarthy verkauft „The Counselor”, sein neues Drehbuch über ein Drogenkriegsdrama
Der Romanautor Cormac McCarthy, 78, hat mit seinem neuen Drehbuch Hollywood in Bewegung gebracht. (AP photo/Alfred A. Knopf, Derek Shapton)
(AP photo/Alfred A. Knopf, Derek Shapton)

Hier ein Rat an alle Drehbuchautoren, die ihre eigenen Ideen verkaufen möchten: Werden Sie erstmal Pulitzer-Preisträger, dann ist der Rest ein Klacks.

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Cormac McCarthy, der für „The Road“ („Die Straße“) mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde und immer wieder als Amerikas größter lebender Schriftsteller gehandelt wird, hat wieder ein Drehbuch geschrieben. Eigentlich hatten seine Agenten Binky Urban und Ron Bernstein mit einem neuen Roman gerechnet, stattdessen lieferte McCarthy nun ein Skript mit dem Titel „The Counselor” ab. Scheinbar geht es darin um einen Anwalt im amerikanischen Südwesten der Gegenwart, der in den Drogenhandel involviert wird und danach trachtet, wieder herauszukommen. Die Geschichte klingt ein wenig wie das moralische Pendant zu McCarthys „No Country of Old Men“ („Kein Land für alte Männer“), das Joel und Ethan Coen 2007 verfilmten und das den Oscar in der Kategorie bester Film erhielt.

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Mike Fleming von Deadline berichtete gestern, dass Nick Wechsler, Steve Schwartz und Paula Mae Schwartz, die Produzenten von John Hillcoats Film „The Road,” sich das Drehbuch zu „The Counselor” gesichert und mit eigenen Mitteln bezahlt haben und jetzt nach einem Regisseur und Finanzierungsmöglichkeiten suchen. „Das Drehbuch trifft den Nerv dessen, was alle an McCarthys Romanen so mögen“, erzählte Wechsler Fleming. Steve Schwartz fügte hinzu: „Da McCarthy es selbst geschrieben hat, hat es auch seine muskulöse Prosa und diese typische sexuelle Obsessionen. Es ist eine männliche Welt, in die – das ist ungewöhnlich – zwei Frauen eindringen, die tragende Rollen spielen. McCarthys Witz und Humor in den Dialogen machen den Alptraum noch beklemmender. Dies könnte eine von McCarthys verstörendsten und kraftvollsten Arbeiten sein.“

 

„The Counselor” ist nicht McCarthys erstes Drehbuch. Mitte der 1970er-Jahre schrieb er „The Gardener’s Son“, bei dessen Verfilmung für die „Visions“-Reihe des Senders PBS Richard Pearce Regie führte, die Erstausstrahlung war am 16. Dezember 1976.

 

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit in der Mühlenstadt Graniteville in South Carolina, die sich exakt 100 Jahre früher zugetragen hatte. Im Zentrum der Handlung steht die tragische Interaktion zwischen den Nachkommen einer Fabrikantenfamilie und der früheren Farmerfamilie, die für sie arbeitet. Brad Dourif spielt die Titelrolle, einen amputierten Mann, der den grausamen Sohn des verstorbenen Fabrikanten ermordet, nachdem dieser versucht hat, seine Schwester zu verführen. Wie viele von McCarthys Arbeiten handelt die Geschichte von dem zerfallenden Ansehen und Respekt für den Durchschnittsman und dem Aufkeimen von Verachtung und Bösartigkeit an ihrer Stelle.

 

Laut Edwin T. Arnold von der offiziellen Website der McCarthy Society schrieb der Autor in den 1980er-Jahren mehrere Drehbücher, von denen jedoch keines produziert wurde. Darunter „Whales and Men“, die Geschichte eines Meeresbiologen, der mit einem wohlhabenden Abenteurer, dessen Freundin und einem adeligen irischen Playboy zu tun bekommt und sie auf Bootfahrten begleitet, bei denen sie über die Verständigung der Wale und die Bedeutung von Sprache diskutieren. Trotz der Meereskulisse und einer abschließenden Reise nach Sri Lanka klingt das Drehbuch mehr nach einer Grundlage für ein Theaterstück denn für einen Film.

 

„The Sunset Limited”, McCarthys „Roman in dramatischer Form“, war letztes Jahr Grundlage für einen wohlwollend aufgenommenen Film des Senders HBO, bei dem Tommy Lee Jones Regie führte. Jones verkörpert in „No Country for Old Men“ den texanischen Sheriff Ed Tom Bell. „The Sunset Limited” spielt in einer kleinen Mietwohnung in Manhattan und ist ein prägnant geschriebenes, existenzialistisches Drama über den Ideenaustausch zwischen einem suizidären Collegeprofessor (Jones) und einem ehemaligen Hochstapler, der Bibeln verkauft (Samuel L. Jackson). Es geht, wie in eigentlich allen Texten von McCarthy, um Nihilismus, Spiritualität und den Sinn des Lebens.


„The Counselor” wäre die fünfte Filmadaption eines Texts von McCarthy nach Billy Bob Thorntons „All the Pretty Horses“ („All die schönen Pferde“, 2000), „No Country”, „The Road” und dem Kurzfilm „Outer Dark” (2009), der auf McCarthys zweitem Roman („Draußen im Dunkel“,1968) basiert und bei dem Stephen Imwalle Regie führte. 2010 war der Regisseur Andrew Dominik („The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford”) an einer Verfilmung von McCarthys „Cities of the Plain” („Land der Freien”) beteiligt.

 

Wo aber bleibt die langersehnte Verfilmung von „Blood Meridian” („Die Abendröte im Westen“), McCarthys allegorisches Meisterwerk aus dem Jahr 1985 über eine Bande habgieriger Skalpjäger, die 1849–50 den amerikanischen Südwesten heimsuche? Ridley Scott und Todd Field sind aus dem Projekt wieder ausgeschieden und wurden von dem omnipräsenten James Franco ersetzt, der eine elaboriert authentische Testsequenz drehte, die wiederum den Produzenten Scott Rudin, der die Rechte an dem Roman erworben hat, überzeugte, ihm den Auftrag zu geben. Sam Peckinpah wäre jetzt gut.